Kaffeeklima – Klimakaffee

Konsum und Klima – zwangsläufig kommt man hier auch auf das Lieblingsgetränk der Deutschen, den Kaffee. Wie kaum ein anderes Lebensmittel ist der Kaffee ein Sinnbild für unseren auf internationalen Handel beruhenden Konsum. Angebaut in entfernten Ländern auf anderen Kontinenten ist der Kaffee dennoch ein fest in unserem Alltag verwurzeltes Produkt, von allen erwartet selbstverständlich immer im Überfluss verfügbar und möglichst günstig überall zu kaufen.

Im Zusammenhang mit Kaffeeanbau, -handel und -konsum lässt sich eigentlich alles finden, was unsere international verflochtene Lebensweise ausmacht – Fluch und Segen zugleich. Also ein spannendes Thema für unsere AG Konsum und Ernährung im Töster Klimakreis. Da wir unsere Erkenntnisse nicht für uns behalten wollten, entschlossen wir uns im Rahmen der Töster Kulturtage am 16.9.26 eine Veranstaltung mit dem Titel „Kaffeeklima -KIimakaffee“ anzubieten.

Dabei wollten wir nicht nur über die Klimarelevanz von Kaffee informieren, sondern es ging wie immer bei unseren Veranstaltungen auch um die sinnliche Erfahrung. Testen und Schmecken waren angesagt. Ziel war, den interessierten Gästen Hintergrundwissen, aber auch Kriterien und alltagstaugliche Entscheidungshilfen für den eigenen Konsum zu vermitteln.

Den Einstieg in die Veranstaltung lieferte ein Vortrag mit vielfältigen Infos, der die Breite und die Relevanz des Themas verdeutlichte. Dazu gehörten z.B. die fünf Fast Facts zum Kaffee:

  • 125 Mio. Menschen leben weltweit vom Kaffee
  • 169 Liter Kaffee trinkt jede/r Deutsche pro Jahr
  • mehr als 80 Länder in der Welt bauen Kaffee an
  • die Erntefläche für Kaffee lag 2022 weltweit bei 13 Mio. Hektar
  • 80 % des Kaffees werden von Kleinbauern angebaut.

Neben den ökologischen Folgen des Kaffeeanbaus (Entwaldung, Wasserverschmutzung, Bodenerosion, Co2-Fußabdruck) ging es auch um die unterschiedliche Co2-Relevanz der konsumierten Kaffeevariationen. So liegt der Wasser- und Co2-Verbrauch bei Kaffee mit pflanzlicher Milch etwa um die Hälfte unter dem von Kaffee mit Kuhmilch. Auch die Art der Kaffeezubereitung, ob mit Filtermaschine, Kapselmaschine, Vollautomat, French Press etc. ist umweltrelevant. Thema waren aber auch die sozialen Ungerechtigkeiten entlang der Lieferketten. So gehen nur 8 % des Verkaufspreises an die Kaffeeproduzenten, viele können nur mit unbezahlter Familienarbeit überleben. Ein krasser Gegensatz dazu ist die große Gewinnmarge, die der Handel besonders mit Kaffeekapseln erzielen kann.

Es wurde aber auch über positive Ansätze zum Thema Kaffee berichtet, auch wenn ihr Anteil noch klein ist. So werden klimaschonenden Agroforstsysteme erprobt, resilientere Kaffeesorten entwickelt, naturpositive Pestizide eingesetzt und faire Lieferketten ausgebaut.

Und auch für uns Konsumenten gibt es Möglichkeiten, Positives beizutragen:

  • Fair gehandelten Biokaffee kaufen
  • Pflanzliche Milch wählen
  • Konsum und Verpackungsmüll reduzieren
  • Regional angebaute Kaffeealternativen probieren
  • Die Gastronomie auf die Herkunft des Kaffees ansprechen.

Im Anschluss an den inhaltlichen Input konnten die Gäste unterschiedliche Kaffeesorten probieren. Dazu wurden von uns ausschließlich Kaffeesorten aus den lokalen Supermärkten angeboten, überwiegend in Bioqualität. Damit sollte deutlich werden, dass es im Alltag einfach möglich ist, Kaffee zu kaufen, der höhere ökologische Standards erfüllt.

Denn wie relevant es ist, Biokaffee zu kaufen, wird an einer Analyse verschiedener Umweltorganisationen deutlich. Demnach werden in der Kaffeeproduktion 159 Pestizidwirkstoffe eingesetzt, von denen über die Hälfte in der EU verboten sind, die aber weiter von Chemiekonzernen exportiert werden. Die Rückstände davon landen dann wieder in den Kaffeetassen auf deutschen Tischen. Noch schlimmer sind deren Auswirkungen für die Menschen und die Böden und Gewässer in den Anbauländern.

Den Kaffee hatten wir in French Press-Kannen und in Filtermaschinen gekocht. Ein neues Geschmackserlebnis für viele war der Lupinenkaffee, der gut als Alternative zu koffeinfreiem Kaffee getrunken werden kann. Die Kaffeeverkostung und die vorab präsentierten Informationen lösten angeregte Gespräch unter den Anwesenden aus. Am Ende bekam jeder Gast noch einen kleinen Handzettel mit den wichtigsten Infos auf den Weg:

Die Resonanz unserer Gäste war sehr positiv und uns als Arbeitsgruppe hat diese Veranstaltung auch Spaß gebracht. Dennoch haben wir entschieden, unsere mehrjährige Arbeit als AG Konsum und Ernährung damit abzuschließen. Nach unseren vielen anregenden AG-Treffen und mehreren Veranstaltungen wollen wir uns nun anderen Themen und Aktivitäten zuwenden.

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